Zwei Kreise mit den Zeichen 氣 (Qi, Antrieb) und 血 (Xue, Substanz), durch eine Linie verbunden. Darunter ein gestrichelter leerer Kreis mit der Beschriftung Vitamin C und einem Pfeil auf die Worte: steht in Schild.

Eisenbisglycinat ohne Vitamin C: warum wir keins zusetzen

氣 血 Qi · Antrieb Xue · Substanz Vitamin C steht in Schild Kein Vitamin C. Mit Absicht. Aber nicht aus dem Grund, den die Werbung nennt. DR. COMOI · WISSEN

In Funke ist Eisen. Vitamin C ist nicht drin. Das ist kein Versehen — und die Begründung, die uns am besten in den Kram passen würde, hält der Literatur nicht stand. Deshalb steht sie hier trotzdem, samt Widerlegung. Wer wissen will, warum in einer Kapsel steht, was drin steht, hat ein Recht auf die unbequeme Version.

In einem Satz

Die verbreitete Erklärung — „Chelat-Eisen wird auf einem eigenen Weg aufgenommen und braucht deshalb kein Vitamin C" — wird von den Zellstudien nicht sauber gestützt. Vitamin C fehlt in Funke aus einem anderen Grund: Es hätte dort keine eigene Aufgabe.

Aus dem Notizbuch von Dr. WeiLesezeit ca. 10 Minuten

1. Ein Rezept ist keine Liste

Wer in Deutschland ein Nahrungsergänzungsmittel umdreht und die Rückseite liest, liest eine Liste. Und die stillschweigende Annahme dahinter lautet: Jeder Stoff macht eine Sache, die Sachen addieren sich, also ist mehr auf der Liste besser. Nach dieser Logik gehört Vitamin C selbstverständlich zum Eisen — es steht ja auf fast jeder Eisenpackung drauf.

Die chinesische Rezepturenlehre denkt nicht additiv. Sie denkt in Rollen. Eine Rezeptur ist dort kein Stapel von Wirkstoffen, sondern eine Besetzung: Es gibt eine Hauptstimme, es gibt Stimmen, die die Hauptstimme tragen, und es gibt welche, die dafür sorgen, dass das Ganze verträglich bleibt. Eine Zutat, die keine Rolle hat, kommt nicht dazu — auch dann nicht, wenn sie für sich genommen nützlich wäre.

Der Unterschied in einem Bild: Ein Orchester wird nicht dadurch besser, dass man ein weiteres Instrument dazustellt. Es wird besser, wenn jedes Instrument einen Grund hat, da zu sein. Die Frage ist nie „was könnte man noch hinzufügen", sondern „was macht das hier eigentlich".

Das ist der ganze Unterschied, und man muss dafür kein einziges chinesisches Wort lernen. Aber man muss die Frage anders stellen. Der Rest dieses Textes stellt sie: Was macht das hier eigentlich? — einmal für die Pflanzen, einmal für die Nährstoffe.

2. Die östliche Hälfte: zwei Dinge, ein Verhältnis

In Funke stehen zwei Pflanzen: Ginseng (Panax ginseng) und die Gojibeere (Lycium barbarum). Sie sind nicht zwei Varianten desselben Gedankens. Sie stehen in der alten Systematik für die zwei Größen, aus denen dort überhaupt alles gebaut wird.

人之所有者,血與氣耳 „Was ein Mensch hat, ist Blut und Qi — mehr nicht."
Huangdi Neijing, Suwen, Kapitel 62 (Tiaojing Lun)

Der Satz ist rund zweitausend Jahre alt und radikal sparsam. Er sagt: Reduziert man einen Menschen auf das Notwendigste, bleiben zwei Größen übrig — und der zweite Satz derselben Passage sagt, worauf es dann ankommt: 血氣不和,百病乃變化而生 — stehen Blut und Qi nicht im richtigen Verhältnis, entstehen daraus die Beschwerden.

氣
Qi — der AntriebGinseng steht in dieser Systematik auf dieser Seite. Sie beschreibt nicht einen Stoff, sondern eine Funktion: dass etwas in Bewegung ist.
血
Xue — die SubstanzDie Gojibeere steht hier. Das, woraus etwas gemacht wird — das, was bewegt wird.

Zwei Pflanzen, weil es zwei Größen sind. Der Sinn des Paares liegt nicht in der Summe, sondern im Verhältnis.

Das ist die östliche Hälfte, und mehr braucht sie nicht. Ich verzichte hier bewusst auf die Fachbegriffe der Rezepturenlehre — sie erklären nichts, was der Satz oben nicht schon sagt.

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3. Die westliche Hälfte: was Bisglycinat ist — und was es nicht ist

Jetzt die andere Hälfte der Kapsel, und hier wird es unbequem.

Eisenbisglycinat ist ein Chelat: Ein Eisenion, das von zwei Molekülen der Aminosäure Glycin wie von einer Zange gefasst wird. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit hat es als Eisenquelle für Lebensmittel und Nahrungsergänzungsmittel bewertet (AFC-Gremium, 2006). So weit unstrittig.

Die Behauptung, die uns nützen würde

In der Vermarktung von Chelat-Eisen liest man regelmäßig diese Begründung:

„Weil das Eisen im Chelat gebunden bleibt, wird es intakt über einen eigenen Transportweg aufgenommen. Deshalb braucht es — anders als Eisensalze — kein Vitamin C."

Das klingt sauber, es ist eingängig, und es würde genau erklären, warum in Funke kein Vitamin C ist. Ich halte es trotzdem nicht für belastbar.

Was die Zellstudien sagen

1
Nutrients, 2019 — DMT1-KnockoutEine Arbeitsgruppe schaltete in menschlichen Darmzellen den Transporter DMT1 aus — den Hauptweg, über den nicht-häm-gebundenes Eisen in die Zelle gelangt. Ergebnis: Auch die Aufnahme aus Eisenbisglycinat brach ein — genau wie bei Eisensulfat. Die Autoren schließen, dass Bisglycinat „wahrscheinlich hauptsächlich über DMT1 wie Eisensulfat" transportiert wird.
2
Journal of Nutrition, 2004Schon der Titel dieser älteren Arbeit sagt das Ergebnis: „Die Mechanismen zur Regulierung der Aufnahme von Eisen-Bis-Glycin-Chelat und Eisen-Ascorbat in Caco-2-Zellen sind ähnlich." Ähnlich — nicht anders.

Wenn beide denselben Weg benutzen, dann ist die Behauptung „braucht deshalb kein Vitamin C" nicht sauber begründet.

Warum steht das hier? Weil wir dieses Argument benutzen könnten und niemand es prüfen würde. Genau deshalb steht es hier mit der Gegenevidenz. Ein Anbieter, der nur die Studien zitiert, die ihm passen, hat Ihnen nichts gesagt. — Und weil die Frage damit noch offen ist: Warum dann kein Vitamin C?

4. Warum dann kein Vitamin C

Drei Gründe. Keiner davon ist ein Wirkversprechen.

1
Es hätte in Funke keine eigene AufgabeVitamin C ist bei uns in Schild — dort trägt es zusammen mit Zink und Vitamin D eine und dieselbe zugelassene Angabe. Es hat dort eine Rolle. In Funke hätte es vor allem eine Rolle auf dem Etikett: eine Zeile mehr auf der Liste. Das ist genau das additive Denken aus Abschnitt 1.
2
Sie können es selbst dazugeben — und behalten die KontrolleEine halbe Paprika, eine Orange, ein Glas Saft. Wer Vitamin C zum Eisen möchte, kann es zur Mahlzeit haben, in einer Menge, die er selbst bestimmt. Fest in die Kapsel gepresst wird aus einer Wahl eine Vorgabe.
3
Wir wollten die Frage über die Eisenform lösen, nicht über einen ZusatzBisglycinat ist die aufwendigere und teurere Wahl gegenüber Eisenoxid oder Eisensulfat. Diese Entscheidung ist gefallen, bevor über Zusätze geredet wurde. Und danach ehrlich zu sagen, wie weit sie trägt — siehe oben.

Die Dosis, weil auch sie eine Entscheidung ist

14 mgEisen pro Tagesdosis (2 Kapseln). Das sind genau 100 % des Nährstoffbezugswerts — nicht 200 %, nicht 300 %. Bei Eisen ist mehr ausdrücklich nicht besser.
4 µgVitamin B12 als Methylcobalamin — eine der im Körper vorkommenden Formen, nicht das billigere Cyanocobalamin. Auch das ist eine Formentscheidung, keine Wirkaussage.

Und der wichtigste Satz dieses Textes: Eisen nimmt man nicht vorsorglich. Eisenmangel gehört vor der Einnahme festgestellt — über eine Blutuntersuchung, üblicherweise Ferritin, bei der Ärztin. Zu viel Eisen ist kein harmloser Überschuss, und Müdigkeit hat viele Ursachen, von denen die meisten nichts mit Eisen zu tun haben.

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5. Was wir sagen dürfen — und was nicht

Hier ist die Trennlinie, und sie verläuft nicht dort, wo die meisten sie vermuten.

✓
Für die Nährstoffe gibt es zugelassene AngabenWortwörtlich, so wie sie in der EU-Verordnung stehen: „Eisen trägt zur Verringerung von Müdigkeit und Ermüdung bei."
„Vitamin B12 trägt zur Verringerung von Müdigkeit und Ermüdung bei."
„Vitamin B12 trägt zu einer normalen Bildung roter Blutkörperchen bei."
✗
Für Ginseng und Gojibeere gibt es keineIn der EU bestehen für diese beiden Pflanzen keine zugelassenen gesundheitsbezogenen Angaben. Wir behaupten deshalb nichts über ihre Wirkung — was oben über sie steht, ist die Beschreibung eines historischen Ordnungssystems, keine Wirkaussage.

Diese Asymmetrie ist der Grund, warum der ganze Text so gebaut ist, wie er gebaut ist: Über die Pflanzen können wir nur erzählen, woher sie kommen und wie über sie gedacht wurde. Über die Nährstoffe können wir einen einzigen zugelassenen Satz sagen — und sonst nichts. Alles dazwischen wäre Werbung, die sich als Information verkleidet.

Warum es für Ginseng immerhin eine EU-Monographie gibt und für andere chinesische Pflanzen nicht: Ginseng hat eine EU-Monographie, Danggui nicht

Transparenzhinweis. Dieser Beitrag erscheint auf der Website von DR. COMOI und beschreibt die Zusammensetzung eines unserer eigenen Produkte. Er ist damit nicht neutral, und Sie sollten ihn nicht als neutral lesen. Was er kann: offenlegen, welche Entscheidungen getroffen wurden und mit welcher Begründung — einschließlich der Begründung, die wir verworfen haben, obwohl sie uns genützt hätte.

Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine ausgewogene Ernährung und eine gesunde Lebensweise und dienen nicht der Heilung, Linderung oder Vorbeugung von Krankheiten.

6. Häufige Fragen

Braucht Eisen Vitamin C, um aufgenommen zu werden?

Vitamin C verbessert nachweislich die Aufnahme von Eisen aus Eisensalzen — es überführt dreiwertiges in zweiwertiges Eisen und hält es in löslicher Form. Ob das bei Chelaten wie Eisenbisglycinat in gleichem Maß nötig oder wirksam ist, ist offener, als die Werbung nahelegt: Zellstudien deuten darauf hin, dass auch Bisglycinat überwiegend über denselben Transporter (DMT1) aufgenommen wird wie Eisensulfat. Notwendig ist Vitamin C in keinem Fall — hilfreich kann es sein, und man kann es einfach über die Mahlzeit dazunehmen.

Warum ist in Funke kein Vitamin C?

Drei Gründe: Es hätte dort keine eigene Aufgabe — bei uns steht Vitamin C in Schild, wo es zusammen mit Zink und Vitamin D eine zugelassene Angabe trägt. Man kann es über eine Paprika oder ein Glas Saft selbst dazugeben und behält so die Kontrolle über die Menge. Und die Frage der Eisenform wurde über die Form selbst entschieden, nicht über einen Zusatz. Nicht der Grund: die verbreitete Behauptung, Chelat-Eisen brauche grundsätzlich kein Vitamin C — die halten wir für nicht sauber belegt.

Was ist Eisenbisglycinat?

Ein Eisenchelat: Ein Eisenion, das von zwei Molekülen der Aminosäure Glycin gebunden wird. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit hat Eisenbisglycinat 2006 als Eisenquelle für Lebensmittel und Nahrungsergänzungsmittel bewertet. Es ist in der Herstellung aufwendiger und teurer als Eisensulfat oder Eisenoxid.

Ist Eisenbisglycinat besser als Eisensulfat?

„Besser" ist keine Kategorie, die sich pauschal beantworten lässt — es kommt darauf an, wonach man fragt. Zur Verträglichkeit und zur Aufnahme unter verschiedenen Bedingungen gibt es Untersuchungen mit unterschiedlichen Ergebnissen. Was sich sagen lässt: Es ist eine andere chemische Form, sie ist von der EFSA als Eisenquelle bewertet, und sie ist die teurere Wahl. Wer eine Aussage sucht, die über die Form hinausgeht, sollte sie nicht bei einem Anbieter suchen, der diese Form verkauft.

Warum Methylcobalamin und nicht Cyanocobalamin?

Methylcobalamin ist eine der Formen, in denen Vitamin B12 im Körper vorliegt; Cyanocobalamin ist die stabilere und günstigere Form, die in den meisten Präparaten steckt. Das ist eine Formentscheidung, keine Wirkaussage: Die zugelassenen Angaben zu Vitamin B12 gelten unabhängig von der Form.

Kann man Eisen einfach vorsorglich einnehmen?

Nein. Ein Eisenmangel gehört vor der Einnahme festgestellt, üblicherweise über eine Blutuntersuchung (Ferritin) bei der Ärztin oder dem Arzt. Zu viel Eisen ist kein harmloser Überschuss, und Müdigkeit hat viele mögliche Ursachen, von denen die meisten nichts mit Eisen zu tun haben. Wer Medikamente einnimmt, sollte auch pflanzliche Präparate und Nährstoffe immer und ungefragt erwähnen.

Was haben Ginseng und Gojibeere in einem Eisenprodukt zu suchen?

In der chinesischen Systematik stehen die beiden für die zwei Größen, aus denen dort alles gebaut wird: Qi (氣, der Antrieb) und Xue (血, die Substanz). Der Suwen formuliert das in Kapitel 62 als „was ein Mensch hat, ist Blut und Qi — mehr nicht". Das Paar ist also kein Zusatz zum Eisen, sondern die andere Hälfte der Rezeptur. Wichtig: Für beide Pflanzen bestehen in der EU keine zugelassenen gesundheitsbezogenen Angaben.

Quellen

  1. Yu, Chen, Ding, Zhao, Feng: Iron Transport from Ferrous Bisglycinate and Ferrous Sulfate in DMT1-Knockout Human Intestinal Caco-2 Cells. Nutrients 11(3):485, 2019. MDPI
  2. The mechanisms for regulating absorption of Fe bis-glycine chelate and Fe-ascorbate in Caco-2 cells are similar. Journal of Nutrition, 2004. PubMed 14747678
  3. EFSA, AFC-Gremium: Opinion related to Ferrous bisglycinate as a source of iron for use in the manufacturing of foods and in food supplements. EFSA Journal 4(4):299, 2006.
  4. Verordnung (EU) Nr. 432/2012 — Liste zulässiger gesundheitsbezogener Angaben. EUR-Lex
  5. Huangdi Neijing · Suwen, Kapitel 62 (調經論) — „人之所有者,血與氣耳" sowie „血氣不和,百病乃變化而生".

Über diese Notiz. Aus dem Arbeitsbuch von Dr. Wei, für die Veröffentlichung gekürzt und redigiert.

Dieser Beitrag dient der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Für die genannten Pflanzen bestehen in der EU keine zugelassenen gesundheitsbezogenen Angaben. Eisen sollte nur bei festgestelltem Bedarf ergänzt werden. Bei Vorerkrankungen, in Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei gleichzeitiger Einnahme von Medikamenten klären Sie die Anwendung bitte vorher ärztlich ab.

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