Eisenbisglycinat ohne Vitamin C: warum wir keins zusetzen
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In Funke ist Eisen. Vitamin C ist nicht drin. Das ist kein Versehen — und die Begründung, die uns am besten in den Kram passen würde, hält der Literatur nicht stand. Deshalb steht sie hier trotzdem, samt Widerlegung. Wer wissen will, warum in einer Kapsel steht, was drin steht, hat ein Recht auf die unbequeme Version.
Die verbreitete Erklärung — „Chelat-Eisen wird auf einem eigenen Weg aufgenommen und braucht deshalb kein Vitamin C" — wird von den Zellstudien nicht sauber gestützt. Vitamin C fehlt in Funke aus einem anderen Grund: Es hätte dort keine eigene Aufgabe.
1. Ein Rezept ist keine Liste
Wer in Deutschland ein Nahrungsergänzungsmittel umdreht und die Rückseite liest, liest eine Liste. Und die stillschweigende Annahme dahinter lautet: Jeder Stoff macht eine Sache, die Sachen addieren sich, also ist mehr auf der Liste besser. Nach dieser Logik gehört Vitamin C selbstverständlich zum Eisen — es steht ja auf fast jeder Eisenpackung drauf.
Die chinesische Rezepturenlehre denkt nicht additiv. Sie denkt in Rollen. Eine Rezeptur ist dort kein Stapel von Wirkstoffen, sondern eine Besetzung: Es gibt eine Hauptstimme, es gibt Stimmen, die die Hauptstimme tragen, und es gibt welche, die dafür sorgen, dass das Ganze verträglich bleibt. Eine Zutat, die keine Rolle hat, kommt nicht dazu — auch dann nicht, wenn sie für sich genommen nützlich wäre.
Der Unterschied in einem Bild: Ein Orchester wird nicht dadurch besser, dass man ein weiteres Instrument dazustellt. Es wird besser, wenn jedes Instrument einen Grund hat, da zu sein. Die Frage ist nie „was könnte man noch hinzufügen", sondern „was macht das hier eigentlich".
Das ist der ganze Unterschied, und man muss dafür kein einziges chinesisches Wort lernen. Aber man muss die Frage anders stellen. Der Rest dieses Textes stellt sie: Was macht das hier eigentlich? — einmal für die Pflanzen, einmal für die Nährstoffe.
2. Die östliche Hälfte: zwei Dinge, ein Verhältnis
In Funke stehen zwei Pflanzen: Ginseng (Panax ginseng) und die Gojibeere (Lycium barbarum). Sie sind nicht zwei Varianten desselben Gedankens. Sie stehen in der alten Systematik für die zwei Größen, aus denen dort überhaupt alles gebaut wird.
人之所有者,血與氣耳 „Was ein Mensch hat, ist Blut und Qi — mehr nicht."
Huangdi Neijing, Suwen, Kapitel 62 (Tiaojing Lun)
Der Satz ist rund zweitausend Jahre alt und radikal sparsam. Er sagt: Reduziert man einen Menschen auf das Notwendigste, bleiben zwei Größen übrig — und der zweite Satz derselben Passage sagt, worauf es dann ankommt: 血氣不和,百病乃變化而生 — stehen Blut und Qi nicht im richtigen Verhältnis, entstehen daraus die Beschwerden.
Zwei Pflanzen, weil es zwei Größen sind. Der Sinn des Paares liegt nicht in der Summe, sondern im Verhältnis.
Das ist die östliche Hälfte, und mehr braucht sie nicht. Ich verzichte hier bewusst auf die Fachbegriffe der Rezepturenlehre — sie erklären nichts, was der Satz oben nicht schon sagt.
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3. Die westliche Hälfte: was Bisglycinat ist — und was es nicht ist
Jetzt die andere Hälfte der Kapsel, und hier wird es unbequem.
Eisenbisglycinat ist ein Chelat: Ein Eisenion, das von zwei Molekülen der Aminosäure Glycin wie von einer Zange gefasst wird. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit hat es als Eisenquelle für Lebensmittel und Nahrungsergänzungsmittel bewertet (AFC-Gremium, 2006). So weit unstrittig.
Die Behauptung, die uns nützen würde
In der Vermarktung von Chelat-Eisen liest man regelmäßig diese Begründung:
„Weil das Eisen im Chelat gebunden bleibt, wird es intakt über einen eigenen Transportweg aufgenommen. Deshalb braucht es — anders als Eisensalze — kein Vitamin C."
Das klingt sauber, es ist eingängig, und es würde genau erklären, warum in Funke kein Vitamin C ist. Ich halte es trotzdem nicht für belastbar.
Was die Zellstudien sagen
Wenn beide denselben Weg benutzen, dann ist die Behauptung „braucht deshalb kein Vitamin C" nicht sauber begründet.
Warum steht das hier? Weil wir dieses Argument benutzen könnten und niemand es prüfen würde. Genau deshalb steht es hier mit der Gegenevidenz. Ein Anbieter, der nur die Studien zitiert, die ihm passen, hat Ihnen nichts gesagt. — Und weil die Frage damit noch offen ist: Warum dann kein Vitamin C?
4. Warum dann kein Vitamin C
Drei Gründe. Keiner davon ist ein Wirkversprechen.
Die Dosis, weil auch sie eine Entscheidung ist
Und der wichtigste Satz dieses Textes: Eisen nimmt man nicht vorsorglich. Eisenmangel gehört vor der Einnahme festgestellt — über eine Blutuntersuchung, üblicherweise Ferritin, bei der Ärztin. Zu viel Eisen ist kein harmloser Überschuss, und Müdigkeit hat viele Ursachen, von denen die meisten nichts mit Eisen zu tun haben.
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5. Was wir sagen dürfen — und was nicht
Hier ist die Trennlinie, und sie verläuft nicht dort, wo die meisten sie vermuten.
„Vitamin B12 trägt zur Verringerung von Müdigkeit und Ermüdung bei."
„Vitamin B12 trägt zu einer normalen Bildung roter Blutkörperchen bei."
Diese Asymmetrie ist der Grund, warum der ganze Text so gebaut ist, wie er gebaut ist: Über die Pflanzen können wir nur erzählen, woher sie kommen und wie über sie gedacht wurde. Über die Nährstoffe können wir einen einzigen zugelassenen Satz sagen — und sonst nichts. Alles dazwischen wäre Werbung, die sich als Information verkleidet.
Warum es für Ginseng immerhin eine EU-Monographie gibt und für andere chinesische Pflanzen nicht: Ginseng hat eine EU-Monographie, Danggui nicht
Transparenzhinweis. Dieser Beitrag erscheint auf der Website von DR. COMOI und beschreibt die Zusammensetzung eines unserer eigenen Produkte. Er ist damit nicht neutral, und Sie sollten ihn nicht als neutral lesen. Was er kann: offenlegen, welche Entscheidungen getroffen wurden und mit welcher Begründung — einschließlich der Begründung, die wir verworfen haben, obwohl sie uns genützt hätte.
Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine ausgewogene Ernährung und eine gesunde Lebensweise und dienen nicht der Heilung, Linderung oder Vorbeugung von Krankheiten.
6. Häufige Fragen
Braucht Eisen Vitamin C, um aufgenommen zu werden?
Vitamin C verbessert nachweislich die Aufnahme von Eisen aus Eisensalzen — es überführt dreiwertiges in zweiwertiges Eisen und hält es in löslicher Form. Ob das bei Chelaten wie Eisenbisglycinat in gleichem Maß nötig oder wirksam ist, ist offener, als die Werbung nahelegt: Zellstudien deuten darauf hin, dass auch Bisglycinat überwiegend über denselben Transporter (DMT1) aufgenommen wird wie Eisensulfat. Notwendig ist Vitamin C in keinem Fall — hilfreich kann es sein, und man kann es einfach über die Mahlzeit dazunehmen.
Warum ist in Funke kein Vitamin C?
Drei Gründe: Es hätte dort keine eigene Aufgabe — bei uns steht Vitamin C in Schild, wo es zusammen mit Zink und Vitamin D eine zugelassene Angabe trägt. Man kann es über eine Paprika oder ein Glas Saft selbst dazugeben und behält so die Kontrolle über die Menge. Und die Frage der Eisenform wurde über die Form selbst entschieden, nicht über einen Zusatz. Nicht der Grund: die verbreitete Behauptung, Chelat-Eisen brauche grundsätzlich kein Vitamin C — die halten wir für nicht sauber belegt.
Was ist Eisenbisglycinat?
Ein Eisenchelat: Ein Eisenion, das von zwei Molekülen der Aminosäure Glycin gebunden wird. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit hat Eisenbisglycinat 2006 als Eisenquelle für Lebensmittel und Nahrungsergänzungsmittel bewertet. Es ist in der Herstellung aufwendiger und teurer als Eisensulfat oder Eisenoxid.
Ist Eisenbisglycinat besser als Eisensulfat?
„Besser" ist keine Kategorie, die sich pauschal beantworten lässt — es kommt darauf an, wonach man fragt. Zur Verträglichkeit und zur Aufnahme unter verschiedenen Bedingungen gibt es Untersuchungen mit unterschiedlichen Ergebnissen. Was sich sagen lässt: Es ist eine andere chemische Form, sie ist von der EFSA als Eisenquelle bewertet, und sie ist die teurere Wahl. Wer eine Aussage sucht, die über die Form hinausgeht, sollte sie nicht bei einem Anbieter suchen, der diese Form verkauft.
Warum Methylcobalamin und nicht Cyanocobalamin?
Methylcobalamin ist eine der Formen, in denen Vitamin B12 im Körper vorliegt; Cyanocobalamin ist die stabilere und günstigere Form, die in den meisten Präparaten steckt. Das ist eine Formentscheidung, keine Wirkaussage: Die zugelassenen Angaben zu Vitamin B12 gelten unabhängig von der Form.
Kann man Eisen einfach vorsorglich einnehmen?
Nein. Ein Eisenmangel gehört vor der Einnahme festgestellt, üblicherweise über eine Blutuntersuchung (Ferritin) bei der Ärztin oder dem Arzt. Zu viel Eisen ist kein harmloser Überschuss, und Müdigkeit hat viele mögliche Ursachen, von denen die meisten nichts mit Eisen zu tun haben. Wer Medikamente einnimmt, sollte auch pflanzliche Präparate und Nährstoffe immer und ungefragt erwähnen.
Was haben Ginseng und Gojibeere in einem Eisenprodukt zu suchen?
In der chinesischen Systematik stehen die beiden für die zwei Größen, aus denen dort alles gebaut wird: Qi (氣, der Antrieb) und Xue (血, die Substanz). Der Suwen formuliert das in Kapitel 62 als „was ein Mensch hat, ist Blut und Qi — mehr nicht". Das Paar ist also kein Zusatz zum Eisen, sondern die andere Hälfte der Rezeptur. Wichtig: Für beide Pflanzen bestehen in der EU keine zugelassenen gesundheitsbezogenen Angaben.
Quellen
- Yu, Chen, Ding, Zhao, Feng: Iron Transport from Ferrous Bisglycinate and Ferrous Sulfate in DMT1-Knockout Human Intestinal Caco-2 Cells. Nutrients 11(3):485, 2019. MDPI
- The mechanisms for regulating absorption of Fe bis-glycine chelate and Fe-ascorbate in Caco-2 cells are similar. Journal of Nutrition, 2004. PubMed 14747678
- EFSA, AFC-Gremium: Opinion related to Ferrous bisglycinate as a source of iron for use in the manufacturing of foods and in food supplements. EFSA Journal 4(4):299, 2006.
- Verordnung (EU) Nr. 432/2012 — Liste zulässiger gesundheitsbezogener Angaben. EUR-Lex
- Huangdi Neijing · Suwen, Kapitel 62 (調經論) — „人之所有者,血與氣耳" sowie „血氣不和,百病乃變化而生".
Über diese Notiz. Aus dem Arbeitsbuch von Dr. Wei, für die Veröffentlichung gekürzt und redigiert.
Dieser Beitrag dient der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Für die genannten Pflanzen bestehen in der EU keine zugelassenen gesundheitsbezogenen Angaben. Eisen sollte nur bei festgestelltem Bedarf ergänzt werden. Bei Vorerkrankungen, in Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei gleichzeitiger Einnahme von Medikamenten klären Sie die Anwendung bitte vorher ärztlich ab.