PMS: was nicht durchgängig ist, schmerzt

PMS: was nicht durchgängig ist, schmerzt

七qī · der Sieben-TaktDR. COMOI · WISSEN

PMS ist eine Sammelbezeichnung für etwas, das bei zwei Frauen völlig verschieden aussieht. Die chinesische Medizin hat dafür zwei Sätze, die seit fast zweitausend Jahren nebeneinander stehen — zwei entgegengesetzte Ursachen für denselben Schmerz. Der Unterschied hängt an einer einzigen Beobachtung: Wird es besser oder schlechter, sobald die Blutung einsetzt?

Aus dem Notizbuch von Dr. WeiLesezeit ca. 6 Minuten

1. Zwei Sätze, zwei Ursachen, ein Symptom

In den alten Texten stehen zwei Merksätze nebeneinander, so kurz, dass man sie überliest.

不通則痛 — „Was nicht durchgängig ist, schmerzt."
不榮則痛 — „Was nicht genährt ist, schmerzt."

Der erste beschreibt einen Stau: Etwas kommt nicht durch, der Druck tut weh. Der zweite das Gegenteil: Es ist zu wenig da, der Mangel tut weh. Beides erzeugt Schmerz im Unterbauch. Beides läuft unter derselben Abkürzung.

Sie müssen an nichts glauben. Nüchtern übersetzt: Wo Bewegung behindert ist — Muskeltonus, Durchblutung, Abfluss —, entsteht Schmerz. Wo nach einem Verlust zu wenig nachkommt, ebenfalls.

Der Stau (肝鬱氣滯, gān yù qì zhì)

Am stärksten vor der Blutung, nachlassend, sobald sie einsetzt. Brustspannen vor der Periode, Spannung im Unterbauch, Reizbarkeit, Seufzen, Kopfschmerz an den Schläfen. Der Schmerz eher krampfartig, Druck unangenehm. Auch die Stimmungsschwankungen vor der Periode gehören hierher — nicht als Charakterfrage.

Die Leere (血虛, xuè xū)

Umgekehrt: am stärksten während und nach der Blutung. Dumpfer, ziehender Schmerz, besser auf Wärme und auf Druck — die flache Hand auf dem Bauch tut gut. Dazu Blässe, Schwindel, eine Erschöpfung, die noch Tage nach der Periode anhält.

Die Kälte (寒凝血瘀, hán níng xuè yū)

Das dritte Muster kennt fast jede Betroffene selbst: Verschlechterung durch Kaltes, Besserung durch die Wärmflasche. Krämpfe im Unterleib, die sich lösen, sobald es warm wird. Die deutsche Volksmedizin nennt das sich verkühlen — dieselbe Beobachtung, andere Sprache.

Der Kerngedanke. Nicht „Schmerz ja oder nein", sondern „Schmerz wann". Ein Stau hört auf, wenn es fließt. Eine Leere beginnt genau dann.

2. Vorher oder währenddessen?

Diese Frage ist in der alten Systematik keine Nebensache, sondern die entscheidende Weichenstellung — und sie kostet nichts außer Hinschauen.

Man könnte auch sagen: nur eine hübsche Zweiteilung.

Nein, und ich behaupte es nicht. Die Einteilung ist keine Diagnose, sondern eine Sortierhilfe. Sie hebt eine Information auf, die sonst verlorengeht: den zeitlichen Verlauf. Ob die alte Zuordnung von Verlauf zu Ursache stimmt, ist offen; dass der Verlauf beobachtbar ist, nicht.

Und wenn beides zutrifft?

Das ist der Normalfall. Mischbilder sind ausdrücklich vorgesehen. Interessant ist dann nicht das Etikett, sondern welcher Anteil überwiegt.

Die klassische Schrift erzählt den weiblichen Lebenslauf ohnehin in Schritten von sieben Jahren. Wer den Sieben-Takt kennt, liest den Monat als kleine Einheit in einer größeren.

1
Am schlimmsten in den Tagen vor der BlutungErleichterung mit dem Einsetzen — Kennzeichen des Staus.
2
Am schlimmsten während und nach der BlutungDanach tagelang erschöpft und blass — Kennzeichen der Leere.
3
Wärme bessert deutlich, Kaltes verschlechtertWärmflasche hilft sofort, kalte Füße machen es schlechter — Kältemuster.
4
Brustspannen und Reizbarkeit beginnen mehr als eine Woche vorherJe länger der Vorlauf, desto eher steht die Stauseite im Vordergrund.
5
Die Beschwerden haben sich verändert, seit sich die Lebensumstände geändert habenEin Muster, das mitwandert, verrät seine Bedingungen.

3. Was die Zahlen hergeben — und was nicht

Die Angaben zur Häufigkeit von Regelschmerzen schwanken in der Literatur zwischen etwa 20 und 94 Prozent1 — je nachdem, wie streng definiert wird. Eine Spanne dieser Breite ist keine belastbare Aussage. Sie sagt nichts über Frauen und alles über den Forschungsstand.

Eine Erhebung an Studentinnen im italienischen Modena aus dem Jahr 2010 (n = 408) fand bei 84,1 %1 Regelschmerzen; 55,2 %1 nahmen deswegen Medikamente, 31,9 %1 fehlten deswegen. Diese Untersuchung stammt ausdrücklich nicht aus Deutschland, ist inzwischen über fünfzehn Jahre alt und betrifft eine enge Altersgruppe — sie ist nur begrenzt übertragbar.

Für Deutschland habe ich keine belastbare, aktuelle Prävalenzzahl gefunden. Das schreibe ich lieber hin, als eine fremde Zahl deutsch aussehen zu lassen. Dass ein Zustand, der monatlich einen erheblichen Teil der Bevölkerung betrifft, so schlecht in Zahlen gefasst ist, ist selbst eine Aussage.

Starke Regelschmerzen sind nicht automatisch normal.

Ärztlich abklären lassen: Schmerzen, die trotz Schmerzmitteln den Alltag verhindern; Schmerzen, die sich über die Jahre verschlimmern; Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, beim Stuhlgang oder beim Wasserlassen während der Periode; sehr starke oder sehr lange Blutungen; Zwischenblutungen; unerfüllter Kinderwunsch.

Dahinter kann eine Endometriose stehen. Sie wird im Durchschnitt jahrelang zu spät erkannt2, und der häufigste Grund dafür ist banal: Starke Regelschmerzen gelten als normal.

Sofort ärztlich bei plötzlichem heftigem Unterbauchschmerz, Kreislaufschwäche oder Fieber.

Häufige Fragen

Sind starke Regelschmerzen normal?

Häufig ja, normal nicht automatisch. Menstruationsschmerzen, die sich mit Wärme und Ruhe aushalten lassen, sind verbreitet. Schmerzen, die trotz Schmerzmitteln den Alltag verhindern, sich über Jahre verschlimmern oder beim Geschlechtsverkehr auftreten, gehören abgeklärt — unter anderem, weil eine Endometriose dahinterstehen kann.

Was ist der Unterschied zwischen PMS und prämenstruellem Syndrom?

Keiner. PMS ist die Abkürzung für prämenstruelles Syndrom. Gemeint sind Beschwerden in den Tagen vor der Blutung: Brustspannen vor der Periode, Reizbarkeit, Wassereinlagerung, Kopfschmerz, Unterbauchspannen. Der Begriff beschreibt einen Zeitpunkt, keine Ursache — deshalb passen sehr verschiedene Zustände hinein.

Was sagt die TCM zu PMS?

Sie fragt zuerst nach dem Zeitpunkt. Beschwerden vor der Blutung, die mit dem Einsetzen nachlassen, ordnet sie einem Stau zu; Beschwerden während und nach der Blutung einer Leere. Das ist keine medizinische Diagnose, sondern eine Sortierung nach Verlauf.

Warum werden Krämpfe im Unterleib mit einer Wärmflasche besser?

Weil Wärme die Durchblutung fördert und die Muskulatur entspannt — das ist die westliche Erklärung, und sie stimmt. Die chinesische Medizin beschreibt dasselbe von der anderen Seite: Kälte lässt zusammenziehen, Wärme lässt durchgängig werden. Betroffene finden das ohne Anleitung selbst heraus.

Woher kommen Stimmungsschwankungen vor der Periode?

Westlich betrachtet stehen sie im Zusammenhang mit dem Hormonabfall in der zweiten Zyklushälfte. In der chinesischen Systematik gehören Reizbarkeit und häufiges Seufzen zum selben Stau-Muster wie das Brustspannen — also nicht in eine eigene Kategorie „psychisch", sondern in dieselbe Beschreibung wie das Körperliche.

Wie kann ich meinen Zyklus verstehen lernen?

Mit zwei Zeilen pro Tag über drei Zyklen: Wann beginnen die Beschwerden, wann hören sie auf, was ändert sie — Wärme, Ruhe, Bewegung, Kälte. Wichtiger als die Schmerzstärke ist der Zeitpunkt. Ob es mit Einsetzen der Blutung besser wird, steht in keinem Befund.

Warum an dieser Stelle kein Rat steht

Es wäre einfach, diesen Text mit drei Empfehlungen zu beenden. Ich tue es nicht, und der Grund ist kein juristischer.

Die chinesische Medizin kennt keine Empfehlung für ein Symptom. Sie kennt nur eine Empfehlung für einen Menschen. Zwei Personen mit demselben Beschwerdebild bekommen dort seit zweitausend Jahren zwei verschiedene Antworten — und das ist kein Mangel an Präzision, sondern der Kern des Verfahrens. Es heißt 辨證論治, biàn zhèng lùn zhì: erst das Muster unterscheiden, dann darüber sprechen, was zu tun ist. Wer die zweite Hälfte ohne die erste macht, rät.

Der erste Schritt ist deshalb nicht die Beschwerde, sondern Sie selbst. Unser Konstitutions-Check fragt nicht nach Ihrem Geburtsjahr und stellt keine Diagnose. Er fragt danach, wie Sie auf Kälte, auf Wärme, auf Trockenheit und auf Belastung reagieren — und ordnet Sie in wenigen Minuten einem der fünf Zustände zu. Kostenlos, ohne Anmeldung.

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Quellen

  1. gyn-depesche: Dysmenorrhoe — die Prävalenz ist Definitionssache. Untersuchung an Studentinnen in Modena, n = 408, 2010. Link
  2. Endometriose-Vereinigung Deutschland: Was ist Endometriose? Link

Über diese Notiz. Aus dem Arbeitsbuch von Dr. Wei, für die Veröffentlichung gekürzt und redigiert.

Dieser Beitrag dient der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Angaben zur traditionellen chinesischen Medizin geben eine historische Denkweise wieder und stellen keine medizinische Aussage dar. Bei anhaltenden, neuen, starken oder einseitigen Beschwerden suchen Sie bitte ärztlichen Rat.

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