腠理 — còu lǐ, die Fugen: das chinesische Bild für die Körperoberfläche, die sich an Wetterwechsel anpasst

Wetterfühligkeit: „Nicht das Wetter. Der Wechsel.“

腠理còu lǐ · die FugenDR. COMOI · WISSEN

Rund die Hälfte der Deutschen bezeichnete sich schon in einer repräsentativen Befragung aus dem Jahr 2013 als wetterfühlig1. In Deutschland ist das keine Diagnose, sondern eine Befindlichkeitsstörung — es gibt keinen ICD-Code dafür. In der chinesischen Medizin hat derselbe Zustand seit über achthundert Jahren einen Namen. Eine Notiz über Zugluft, über eine Rezeptur, die „Wandschirm“ heißt, und über die Frage, warum manche Menschen den Wind spüren und andere nicht.

Aus dem Notizbuch von Dr. WeiLesezeit ca. 12 Minuten

Die Zahl steht in jedem zweiten Wetterbericht und wird trotzdem selten ernst genommen: Rund die Hälfte der Menschen in Deutschland bezeichnet sich als wetterfühlig.1 Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Befragung aus dem Jahr 2013; eine Forsa-Befragung von 2014 kam zum selben Bild2. Der am häufigsten genannte Auslöser ist nicht Hitze, nicht Sturm und nicht Regen, sondern der Temperatursturz1.

Wer damit zur Ärztin geht, bekommt in aller Regel ein Blutbild, und das Blutbild ist in Ordnung. Das ist kein Vorwurf an die Medizin, sondern eine korrekte Beschreibung der Lage: Wetterfühligkeit hat keinen ICD-Code. Sie gilt in Deutschland offiziell nicht als Krankheit, sondern als Befindlichkeitsstörung — und für Befindlichkeitsstörungen gibt es weder Leitlinie noch Kassenleistung noch Forschungsgelder.

Dr. Wei arbeitet seit über zwanzig Jahren zwischen zwei medizinischen Systemen und hat seine Ausbildung in China erhalten. Er nennt sich selbst „einen Arzt zwischen zwei Sprachen“. Die folgenden Seiten stammen aus seinem Arbeitsbuch — Fragen, die ihm immer wieder gestellt werden, und die Antworten, die er darauf gibt.

1. Warum es in Deutschland kein Wort dafür gibt — und doch eines

In Deutschland gibt es Millionen wetterfühlige Menschen und keinen medizinischen Begriff dafür. Wundert Sie das?

Nein. In diesem System ist es keine Krankheit, also existiert es auch in der Forschung und in der Versorgung nicht. Das ist konsequent, und ich kritisiere es nicht einmal — es ist der Preis für ein System, das sehr streng ist. Diese Strenge hat viele Leben gerettet.

Aber ich sage Ihnen etwas: Ein Wort dafür haben Sie sehr wohl. Es heißt Zugluft. Jede deutsche Großmutter hat es benutzt. Sie hat nur nie erklärt, warum manche Menschen sie spüren und andere nicht — und irgendwann haben die Ärzte gesagt, es gebe sie gar nicht.

Was ist die chinesische Antwort auf diese Frage?

In der klassischen Sprache heißt es Wei Qi — 衛氣, wörtlich das „Wach-Qi“ oder „Abwehr-Qi“. Gemeint ist der Teil, der an der Oberfläche zirkuliert, zwischen Haut und Muskel. Der Ort selbst hat ebenfalls einen Namen: Cou Li, 腠理. Man übersetzt das meist mit „Poren“, aber gemeint ist etwas anderes. Gemeint sind die Fugen.

Und jetzt muss ich etwas dazusagen, sonst wird daraus ein esoterischer Text. Sie müssen an nichts glauben. Ich verlange von niemandem, an Qi zu glauben, und ich halte niemanden für ungebildet, der es nicht tut.

Übersetzen Sie es einfach so: die Geschwindigkeit, mit der Ihre Oberfläche sich anpasst. Wie schnell schließen sich die Fugen, wenn es kälter wird; wie schnell öffnen sie sich, wenn es wärmer wird. Bei manchen Menschen geschieht das sofort und unbemerkt. Bei anderen dauert es einen Tag — und diesen Tag erleben sie.

2. „Nicht das Wetter. Der Wechsel.“

Das würde erklären, warum es vielen schon vor dem Umschwung schlecht geht — und nicht erst, wenn es tatsächlich kalt ist.

Das ist der Punkt, den Betroffene kennen und den ihnen niemand erklärt.

Nicht das Wetter macht Ihnen zu schaffen. Der Wechsel macht es.

Deshalb ist der Tag vor dem Frontdurchgang schlimmer als die Woche danach, in der es durchgehend kalt bleibt. Nach drei Tagen Kälte haben Sie sich angepasst, dann geht es wieder.

Und die Statistik sagt dasselbe: Der häufigste genannte Auslöser ist in der Befragung von 2013 der Temperatursturz1, nicht die Temperatur. „Sturz“ ist ein Bewegungswort.

Das heißt, die Betroffenen sind gar nicht kälteempfindlich?

Sie sind änderungsempfindlich. Das ist ein Unterschied, der praktische Folgen hat.

Wer kälteempfindlich ist, zieht sich wärmer an, und die Sache ist erledigt. Wer änderungsempfindlich ist, dem hilft der Pullover am Tag vor dem Umschwung nicht, weil es an diesem Tag noch gar nicht kalt ist. Das ist übrigens auch der Grund, warum Betroffene so oft hören, sie bildeten sich das ein: Rückwärts erzählt klingt es immer nach Einbildung.

3. Die Rezeptur, die „Wandschirm“ heißt

Für diesen Zustand gibt es in China eine sehr bekannte Rezeptur.

Yupingfeng San. Sie ist dort ungefähr so bekannt, wie bei Ihnen Kamillentee bekannt ist — jede Apotheke führt sie, jedes Lehrbuch behandelt sie im ersten Jahr.

Die früheste bekannte Erwähnung ist über achthundert Jahre alt. Sie steht im Jiūyuán Fāng (究原方) von Zhang Song, Südliche Song-Dynastie, 1213. Das Buch selbst ist verloren — erhalten ist der Eintrag nur, weil ein späteres Sammelwerk ihn zitiert hat3. Er ist einen einzigen Satz lang:

腠理不密,易于感冒„Die Fugen schließen nicht dicht — man fängt sich leicht etwas ein.“

Sie sehen dort dasselbe Wort wie vorhin: Cou Li, 腠理, die Fugen. Das ist keine nachträgliche Deutung von mir. Der Satz, mit dem diese Rezeptur zum ersten Mal überhaupt aufgeschrieben wurde, beschreibt genau den Zustand, über den wir hier die ganze Zeit reden.

Die später übliche Formulierung — sie stammt aus dem 14. Jahrhundert — sagt dasselbe ausführlicher: Die Oberfläche ist schwach, man schwitzt ohne Anstrengung, und man wird anfällig, sobald der Wind sich dreht.

玉屏風散

Yù Píng Fēng Sǎn

玉 Jade

屏風 Wandschirm — die faltbare Stellwand, die in einem chinesischen Haus zwischen der Tür und dem Menschen steht

散 Pulver

Der international übliche englische Name lautet seit Jahrzehnten schlicht: Jade Windscreen Powder.

Warum heißt sie ausgerechnet „Wandschirm“?

Weil derjenige, der ihr den Namen gegeben hat, ein sehr ehrlicher Mann war.

Denken Sie an einen chinesischen Wandschirm. Er steht im Raum, ein paar Schritte hinter der Tür. Er ist nicht eingebaut. Er dichtet nichts ab — das könnte er gar nicht, er hat Ritzen, er ist aus Holz und Papier.

Er nimmt dem Zug das Tempo.

Das ist der ganze Anspruch. Nicht mehr. Wer die Tür aufreißt, bekommt trotzdem Wind ab — nur nicht mehr mitten ins Gesicht.

Ich finde diese Bescheidenheit im Namen bemerkenswert. In einer Zeit, in der alles „Schutz“ und „Abwehr“ und „Bollwerk“ heißt, hat jemand vor achthundert Jahren seine Rezeptur nach einem Möbelstück benannt.

Aus welchen Pflanzen besteht sie?

Aus dreien: Huangqi, Baizhu und Fangfeng.

Huangqi ist das, was wir 君 nennen, den Herrscher — die tragende Pflanze. Baizhu gehört in der klassischen Zuordnung zur Mitte, also zur Verdauung. Und Fangfeng heißt wörtlich „Wind abwehren“, was man für den passendsten Namen überhaupt halten müsste.

Aber Fangfeng ist ein lösendes Kraut. Es arbeitet, wenn der Wind schon drin ist. Es gehört in einen Sud, den man drei Tage trinkt, wenn es einen erwischt hat — nicht in etwas, das man über Monate täglich nimmt.

Das ist ein wichtiger Punkt, und er wird oft übergangen: Eine Rezeptur ist kein Baukasten. Man kann nicht drei Namen auf eine Liste schreiben und behaupten, man habe damit die Rezeptur. Wer über Yupingfeng San liest, sollte wissen, dass es eine Rezeptur zum Kochen ist, individuell angepasst — und dass sie nicht dasselbe ist wie irgendein Produkt, das sich auf sie beruft.

Zur Einordnung. Die hier beschriebenen Begriffe — Wei Qi, Cou Li, Biao Xu — stammen aus der klassischen chinesischen Medizin und geben eine historische Denkweise wieder. Sie sind keine Diagnosen im Sinne der westlichen Medizin und keine Aussage über die Wirkung von Lebensmitteln oder Nahrungsergänzungsmitteln. Wer anhaltende, neue, einseitige oder starke Beschwerden hat, klärt diese ärztlich ab — Wetterfühligkeit ist eine bequeme Erklärung, und bequeme Erklärungen können andere verdecken.

4. Zugluft: dieselbe Beobachtung, zwei Schlüsse

An dieser Stelle lohnt sich der Blick zurück auf das deutsche Wort vom Anfang.

„Setz dich nicht in den Zug.“ Es gehört zu den letzten Resten von Volksmedizin, die sich in Deutschland gehalten haben. Generationen von Ärzten haben Patienten erklärt, dass man sich von Zugluft keine Erkältung holt — und trotzdem hat die Vorsicht überlebt. Sie sitzt in jedem Großraumbüro, in dem darüber gestritten wird, ob das Fenster aufbleibt.

Zwei Kulturen haben dieselbe Beobachtung gemacht: Manche Menschen reagieren auf Luft- und Temperaturwechsel spürbar stärker als andere. Sie haben daraus unterschiedliche Schlüsse gezogen.

Die deutsche Tradition hat eine Vorsichtsmaßnahme überliefert. Die chinesische hat eine Frage gestellt.
Man hat uns gesagt, wir sollen uns nicht in den Zug setzen. Niemand hat uns je gesagt, warum manche Menschen ihn spüren und andere nicht.

Ist das nicht eine sehr freundliche Lesart? Man könnte auch sagen: Die eine Kultur hat es wissenschaftlich untersucht und nichts gefunden, die andere hat sich eine Erklärung ausgedacht.

Könnte man, und diesen Einwand nehme ich ernst.

Meine Antwort darauf ist nicht, dass die chinesische Erklärung bewiesen wäre. Sie ist nicht bewiesen. Meine Antwort ist, dass die westliche Medizin hier nicht „nichts gefunden“ hat, sondern gar nicht erst gesucht — weil es ohne Diagnose keine Studie gibt und ohne Studie kein Geld.

Das ist ein Unterschied. „Wir haben nachgesehen und da ist nichts“ ist eine Aussage. „Es steht nicht in unserem Katalog“ ist keine.

Und für die Betroffenen ist die praktische Folge dieselbe: Sie bekommen zu hören, sie hätten nichts.

Wenn Sie mehr darüber lesen möchten, wie in der chinesischen Systematik Pflanzen einander zugeordnet werden und warum ein einzelner Inhaltsstoff dort selten für sich steht: Acht Wurzeln, fünf Formeln. Über die tragende Pflanze dieser Rezeptur: Huangqi. Und zum Verhältnis von Zeit und Gesundheit in beiden Systemen: Gesundheit hat zwei Zeitzonen.

5. Bin ich wetterfühlig? Neun Fragen zum Selbstprüfen

Bis hierhin ging es um einen Begriff. Die naheliegende Frage lautet: Bin ich das eigentlich?

Es gibt dafür keinen Test beim Arzt, weil es keine Diagnose gibt. Was es gibt, sind neun Fragen, die sich in Gesprächen mit Betroffenen als brauchbar erwiesen haben. Sie müssen nichts anklicken und nichts eintragen. Lesen Sie sie durch und zählen Sie im Kopf mit, bei wie vielen Sie genickt haben.

Zwei der Fragen sind wichtiger als die anderen — sie sind orange markiert. Sie unterscheiden Wetterfühligkeit von schlichter Kälteempfindlichkeit, und genau an dieser Unterscheidung hängt alles Weitere.

1
Sie wissen es vorher.Es kommt vor, dass Sie schon am Vortag merken, dass das Wetter kippt — bevor es die App anzeigt und bevor draußen etwas zu sehen ist.
2
Der Nachmittag ohne Grund.Es gibt Tage, an denen Sie ab etwa drei Uhr denselben Absatz zum dritten Mal lesen — obwohl Sie normal geschlafen, normal gegessen und nicht mehr gearbeitet haben als sonst.
3
Die durchgehend kalte Woche.In einer Woche mit gleichbleibend niedrigen Temperaturen geht es Ihnen besser als an dem einen Tag davor, an dem es noch mild war. Diese Frage trennt: Wer kälteempfindlich ist, dem geht es in der kalten Woche schlechter. Wer änderungsempfindlich ist, dem geht es dann besser.
4
Der Zug im Nacken.Im selben Raum, am selben Tisch, beim selben geöffneten Fenster: Sie spüren den Zug — und die Person neben Ihnen nicht.
5
Die alte Stelle.Ein alter Bruch, eine alte Zerrung, eine Narbe oder ein Gelenk, an dem nachweislich nichts mehr kaputt ist, meldet sich vor dem Umschwung zurück.
6
Der Ton.Sie werden an diesen Tagen gereizt, ohne dass es einen Anlass gibt — und anderen fällt es früher auf als Ihnen selbst.
7
Zwischen zwei und vier.Sie schlafen normal ein und sind mitten in der Nacht wach, in Nächten, denen ein Wetterwechsel folgt.
8
Herbst und Vorfrühling — nicht Hochwinter.Es häuft sich in den Übergangsmonaten, nicht in den kältesten. Der Januar ist für Sie nicht der schlimmste Monat. Der Oktober ist es, oder der März. Die zweite trennende Frage: Übergangsmonate sind die Monate mit den meisten Wechseln, nicht mit den tiefsten Temperaturen.
9
Der Satz.Jemand hat Ihnen in den letzten Jahren gesagt, Sie bildeten sich das ein. Und Sie haben irgendwann aufgehört, davon zu erzählen.

Wie Sie das lesen

0–3Sie reagieren, wie die meisten Menschen reagieren. Wetter macht mit jedem etwas. Es bestimmt Ihre Woche aber nicht.
4–6Das Muster ist da. Vor allem, wenn Frage 3 oder 8 dabei war — dann reagieren Sie nicht auf Kälte, sondern auf den Wechsel.
7–9Sie gehören zu der Gruppe, um die es in diesem Beitrag geht — und mit ziemlicher Sicherheit auch zu denen, denen schon mehrfach gesagt wurde, sie hätten nichts.

Sie sind nicht überempfindlich.
Und Sie sind nicht krank.

Sie reagieren auf Veränderung — und zwar auf die Veränderung, nicht auf das Wetter. Das ist der Unterschied, den weder die eine noch die andere Erklärung bisher gemacht hat.

Dazwischen liegt der ganze Raum, in dem rund die Hälfte der Deutschen1 sich seit Jahren nicht einordnen kann.

Was dieses Ergebnis nicht heißt

Es heißt nicht, dass Sie sich das einbilden.Das Muster ist so gleichförmig, dass es in Gesprächen fast wörtlich wiederkehrt — dieselben Uhrzeiten, dieselben Stellen im Körper, dieselben Monate. Etwas, das sich so verlässlich wiederholt, ist keine Einbildung. Es ist nur schlecht erzählbar, weil man es erst rückwärts erkennt.
Es heißt nicht, dass Sie krank sind.Wetterfühligkeit ist keine Diagnose und hat keinen ICD-Code. Diese Fragen sind entsprechend kein diagnostisches Instrument und waren nie als eines gedacht — sie sind eine Sortierhilfe, nicht mehr. Ein hoher Wert bedeutet nicht, dass Ihnen etwas fehlt.
Es heißt aber auch nicht, dass alles daran liegt.Wetterfühligkeit ist eine bequeme Erklärung, und bequeme Erklärungen sind gefährlich, weil sie andere verdecken. Bitte ärztlich abklären lassen, wenn: die Kopfschmerzen neu, sehr stark oder einseitig sind · Sehstörungen, Taubheitsgefühle oder Sprachprobleme dazukommen · sich das gewohnte Muster plötzlich verändert · die Beschwerden auch ohne jeden Wetterbezug auftreten · oder Sie schlicht unsicher sind. Nichts an diesem Text ersetzt eine Untersuchung.

Und wenn Sie jetzt wissen wollen, ob das Muster wirklich Ihres ist — dafür gibt es einen Weg, und er steht im nächsten Abschnitt.

6. Was man selbst tun kann

Was raten Sie jemandem, der sich in diesem Text wiedererkennt?

Zuerst das Unspektakuläre, weil es das ist, was am meisten unterschätzt wird: schlafen, trinken, rausgehen — auch wenn es ungemütlich ist. Wer schlecht schläft, ist wetterfühliger. Das weiß jeder und niemand will es hören.

Und dann etwas, das nichts kostet und das ich für den eigentlich wichtigen Schritt halte.

Nämlich?

Führen Sie vier Wochen lang eine Strichliste. Ein Kalender, drei Sekunden am Abend, eine Zahl von 1 bis 5 — wie war der Tag. Sonst nichts.

Die neun Fragen weiter oben geben Ihnen eine Vermutung. Die Strichliste ist das, was diese Vermutung prüft — und sie ist das Einzige, was das kann.

Legen Sie diese Liste danach neben das Biowetter-Archiv derselben Wochen. Wetterfühligkeit ist einer der wenigen Zustände, bei denen man den eigenen Verlauf nicht beurteilen kann, solange man ihn nicht aufschreibt — man weiß hinterher nie, ob eine gute Woche an einem selbst lag oder daran, dass schlicht kein Tief gekommen ist.

Diese Liste ist in aller Regel die erste ernsthafte Auswertung, die je jemand über Ihre Wetterfühligkeit gemacht hat. Und Sie machen sie selbst.

Nebenbei bekommt eine Biowetter-App damit zum ersten Mal einen Nutzen. Bis dahin sagt sie Ihnen morgens nur, dass es heute schlimm wird. Das ist kein Werkzeug — das ist ein Wetterbericht für Ihr Elend.

Und ernährungsseitig?

Da werde ich vorsichtig, und zwar aus zwei Gründen.

Erstens darf ich als Anbieter zu einem Nahrungsergänzungsmittel nur das sagen, was europäisch zugelassen ist — und für Wetterfühligkeit gibt es keine zugelassene Aussage, für keine Pflanze und für keinen Nährstoff. Wer Ihnen etwas anderes verspricht, verspricht Ihnen etwas, das er nicht sagen darf.

Zweitens halte ich es ohnehin für die falsche Reihenfolge. Der interessante Teil an diesem Thema ist nicht, was man kaufen kann. Der interessante Teil ist, dass es ein Land gibt, in dem dieser Zustand einen Namen hat, seit über achthundert Jahren.

Transparenzhinweis. Dieser Beitrag erscheint auf der Website von Dr. Comoi. Dr. Wei ist der Formulierer der Produkte dieser Marke; eine davon orientiert sich in ihrer Zusammensetzung an der oben beschriebenen Tradition. Wir halten es für redlicher, das hier zu schreiben, als es nicht zu schreiben.

Keine gesundheitsbezogene Angabe. Für Astragalus membranaceus (Huangqi) und andere in diesem Text genannte Pflanzen bestehen in der Europäischen Union keine zugelassenen gesundheitsbezogenen Angaben. Die Nennungen in diesem Beitrag beziehen sich auf Herkunft, Tradition und Zusammensetzung — nicht auf eine Wirkung. Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine ausgewogene Ernährung und eine gesunde Lebensweise und dienen nicht der Heilung, Linderung oder Vorbeugung von Krankheiten.

Passt das Thema zu Ihnen? In der chinesischen Systematik wird die Körperoberfläche — Haut, Lunge, das Außen — dem Element Metall zugeordnet. Unser Fragebogen ordnet Sie in wenigen Minuten ein. Er fragt nicht nach dem Geburtsjahr, sondern zum Beispiel danach, in welcher Jahreszeit Sie geboren sind und wie Sie auf Trockenheit reagieren. → Zum Fünf-Elemente-Fragebogen

7. Häufige Fragen

Was ist Wetterfühligkeit?

Wetterfühligkeit bezeichnet die verstärkte Wahrnehmung von Wetterveränderungen — typischerweise Kopfschwere, Konzentrationsschwäche, Gereiztheit, unruhiger Schlaf oder das Melden alter Verletzungen. In repräsentativen Befragungen aus den Jahren 2013 und 2014 bezeichnete sich rund die Hälfte der Deutschen als wetterfühlig12. In Deutschland gilt sie nicht als Krankheit, sondern als Befindlichkeitsstörung, und hat entsprechend keinen ICD-Code.

Warum geht es mir schon am Tag vor dem Wetterumschwung schlecht?

Weil nicht das Wetter selbst die Belastung darstellt, sondern der Wechsel. Der in der Befragung von 2013 am häufigsten genannte Auslöser ist der Temperatursturz — nicht die Temperatur1. Nach mehreren Tagen durchgehender Kälte hat der Körper sich angepasst; die Belastung liegt in der Übergangsphase. Genau das macht es auch so schwer, davon zu erzählen: Rückwärts erzählt klingt es nach Einbildung.

Bin ich wetterfühlig? Wie finde ich das heraus?

Einen ärztlichen Test gibt es nicht, weil es keine Diagnose gibt. Brauchbar sind zwei Schritte: erstens die neun Fragen zum Selbstprüfen weiter oben in diesem Beitrag — entscheidend sind dabei die beiden Fragen, ob es Ihnen in einer durchgehend kalten Woche besser geht als am Tag vor dem Umschwung, und ob sich die Beschwerden in den Übergangsmonaten häufen statt im Hochwinter. Zweitens vier Wochen Strichliste im Abgleich mit dem Biowetter-Archiv. Die Fragen liefern die Vermutung, die Strichliste prüft sie.

Bin ich wetterfühlig oder einfach überempfindlich?

Weder noch — das ist die häufigste falsche Alternative bei diesem Thema. Wetterfühligkeit ist keine Charakterfrage und keine Krankheit; sie beschreibt eine stärkere Reaktion auf Veränderung. Wer kälteempfindlich ist, dem geht es bei anhaltender Kälte schlechter. Wer wetterfühlig ist, dem geht es an dem Tag schlechter, an dem sich etwas ändert — und in der kalten Woche danach oft wieder besser.

Ist Wetterfühligkeit eine anerkannte Krankheit?

Nein. Sie hat in Deutschland keinen ICD-Code und gilt als Befindlichkeitsstörung. Das bedeutet nicht, dass die Beschwerden nicht real sind — es bedeutet, dass es keine Leitlinie, keine Kassenleistung und praktisch keine Forschungsgelder dafür gibt.

Was sagt die traditionelle chinesische Medizin zu Wetterfühligkeit?

Sie beschreibt einen Zustand, in dem die Körperoberfläche als schwach gilt: Man schwitzt ohne Anstrengung und reagiert empfindlich, sobald sich der Wind dreht. Der Fachbegriff dafür ist Biao Xu, die Schwäche der Oberfläche; der zugehörige Begriff für die schützende Schicht ist Wei Qi. Es handelt sich um eine historische Denkweise, nicht um eine Diagnose im westlichen Sinn.

Was ist Yupingfeng San (Jade Windscreen)?

Eine klassische chinesische Rezeptur aus drei Pflanzen — Huangqi, Baizhu und Fangfeng. Der Name 玉屏風散 bedeutet wörtlich „Jade-Wandschirm-Pulver“; international ist sie als Jade Windscreen Powder bekannt. Die früheste bekannte Erwähnung stammt aus dem Jahr 1213 (《究原方》, Südliche Song-Dynastie); die im Westen meist genannte Quelle 《丹溪心法》 ist rund 130 Jahre jünger. Wichtig: Es ist eine individuell angepasste Rezeptur zum Kochen — kein Produkt und kein Baukasten.

Hat Zugluft wirklich etwas mit Wetterfühligkeit zu tun?

Die deutsche Alltagsvorstellung von Zugluft und die chinesische Vorstellung vom Wind an der Körperoberfläche beschreiben dieselbe Beobachtung: dass manche Menschen auf Luft- und Temperaturwechsel deutlich stärker reagieren als andere. Der Unterschied liegt im Schluss, den beide daraus gezogen haben — die deutsche Tradition hat eine Vorsichtsmaßnahme überliefert, die chinesische eine Erklärung gesucht.

Was hilft bei Wetterfühligkeit?

Eine allgemeingültige Antwort gibt es nicht, und niemand darf Ihnen eine versprechen — für Wetterfühligkeit existiert in der EU keine zugelassene gesundheitsbezogene Aussage, weder für Pflanzen noch für Nährstoffe. Was sich lohnt: ausreichend Schlaf, Bewegung im Freien auch bei ungemütlichem Wetter, und vor allem vier Wochen Strichliste im Abgleich mit dem Biowetter — damit Sie Ihren eigenen Verlauf überhaupt beurteilen können. Bei neuen, starken oder einseitigen Beschwerden bitte ärztlich abklären.

Weiterlesen

Quellen

  1. Bundesministerium für Umwelt / Umweltbundesamt: Repräsentativbefragung zur Wetterfühligkeit in Deutschland. Erhebung 2013. Link
  2. Techniker Krankenkasse / Forsa, Berichterstattung ap-verlag: Jeder zweite Deutsche erlebt sich als wetterfühlig. 2014. Link
  3. 《究原方》 (Jiūyuán Fāng), Zhang Song, Südliche Song-Dynastie, 1213 — überliefert im 《医方类聚》 (Yīfāng Lèijù). Zur Datierung und zur Abgrenzung gegenüber den späteren Zuschreibungen (《世医得效方》 1337, 《丹溪心法》 ca. 1347): 玉屏风散古籍考证与分析.

Über diese Notiz. Aus dem Arbeitsbuch von Dr. Wei, für die Veröffentlichung gekürzt und redigiert.

Dieser Beitrag dient der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Angaben zur traditionellen chinesischen Medizin geben eine historische Denkweise wieder und stellen keine medizinische Aussage dar. Für die genannten Pflanzen bestehen in der EU keine zugelassenen gesundheitsbezogenen Angaben. Bei anhaltenden, neuen, starken oder einseitigen Beschwerden suchen Sie bitte ärztlichen Rat.

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